Frühe Demenzsymptome

Demenz? Ich doch nicht! Vielleicht doch?

Es gibt Frühwarnzeichen, die lange vor dem Gedächtnisverlust auf eine beginnende Demenz hinweisen. Sie sind viel subtiler und werden oft übersehen. Für diese Zeichen sensibel zu sein, ermöglicht eine frühe Diagnose und beeinflusst den weiteren Verlauf.


Räumliche und zeitliche Orientierung 


Bei einer frühen Demenz findet der Betroffene sich in bekannten Räumen nicht mehr zurecht oder findet zum Beispiel den Weg vom Bäcker nach Hause nicht mehr. Es kommt zu Problemen, die Uhr richtig abzulesen, Gesichter bekannter Personen zu erkennen und sich ähnelnde Gegenstände zu unterscheiden. Entfernungen werden nicht mehr richtig eingeschätzt oder der Mensch verirrt sich in der nächsten Umgebung.


Manche der hier erwähnten Dinge können der nachlassenden Sehkraft im Alter geschuldet sein und müssen nicht zwangsläufig ihre Ursache im Gehirn haben. Es geht auch nicht darum, dass mal ein Wochentag verwechselt wird. Bei einer Demenz können Zeitabstände, Jahreszeiten, Umgebungen und Personen nicht mehr richtig eingeordnet werden.


Sprachprobleme 


Dass der Name einer Person vergessen wird oder einem ein bestimmtes Wort nicht einfallen will, das ist ganz normal und kann jedem passieren. Die Sprachprobleme, die hier gemeint sind, gehen weit über normale Wortfindungsstörungen hinaus. 


Eine flüssige Kommunikation wird immer schwerer, weil das Gehirn Informationen langsamer verarbeitet, Alltagsgegenstände nicht mehr richtig benannt werden oder Sätze mittendrin abgebrochen werden, weil der Faden verloren wurde. Eine Tasse oder ein Glas werden nicht mehr als solche benannt, sondern umschrieben mit “Das Ding zum Trinken.”. Der Betroffene ist nicht mehr empfänglich für Ironie oder Witze, im Gespräch wird häufig nachgefragt.


Nach einem Wort zu suchen, das einem später wieder einfällt (meist dann, wenn die Aufmerksamkeit davon abgezogen wird), ist normal. An frühe Demenz sollte dann gedacht werden, wenn dies zu oft passiert und eine normale Kommunikation nicht mehr möglich ist.


Sozialer Rückzug


Menschen mit beginnender Demenz sind in sozialen Situationen schnell überfordert. Sie haben Wortfindungsstörungen, verlieren im Gespräch den Faden. Dort, wo viele Menschen zusammenkommen, es laut ist und alle durcheinander reden, kann der Betroffene nicht mehr folgen. Er klinkt sich aus den Gesprächen aus, wirkt abwesend und desinteressiert, vielleicht sogar arrogant. 


Jedoch ist dies nur ein Schutzmechanismus, denn Menschen mit beginnender Demenz spüren selbst, dass etwas nicht stimmt und wollen sich nicht blamieren. Soziale Kontakte werden zunehmend gemieden, Einladungen unter einem Vorwand abgelehnt. Die anderen sollen schließlich nicht merken, dass es Defizite gibt. 


Jeder braucht Zeit für sich und fühlt sich von zu viel Trubel gestresst. Besonders introvertierte Menschen können nur ein bestimmtes Ausmaß an Außenreizen ertragen und brauchen danach Erholungsphasen, um die Akkus wieder aufzuladen. Die frühe Demenz unterscheidet sich dadurch, dass soziale Kontakte konsequent vermieden werden.


Antriebsarmut und Verlust von Eigeninitiative 


Ein bisher aktiver Mensch, der vielleicht ins Vereinsleben eingebunden war und eines oder mehrere Hobbys gepflegt hat, empfindet dies plötzlich als anstrengend und hat kein Interesse mehr daran. Alltägliche Routinen wirken so, als seien sie kaum zu bewältigen. Der Betroffene wird zunehmend passiv und das nicht aus einer bewussten Entscheidung heraus, sondern aus einer krankheitsbedingten Unsicherheit. Es wird immer schwerer, den eigenen Alltag zu planen und entsprechend zu handeln. 


Jeder kann mal überfordert und das Leben anstrengend sein. Wenn sich aber jemand immer mehr aus Aktivitäten zurückzieht, die ihm einmal sehr viel bedeutet haben, ist es wichtig, genauer hinzuschauen. Umso mehr, weil dieses passive Verhalten mit einer Depression oder schlicht Faulheit verwechselt werden kann.


Ständiger Bewegungsdrang, körperliche Unruhe


Dieses Symptom ist das Gegenteil der eben beschriebenen Antriebsarmut. Der Mensch mit beginnender Demenz wirkt getrieben, ist ständig in Bewegung, kann nicht stillsitzen, läuft herum, spielt an der Kleidung, an den Haaren oder Gegenständen, bewegt Hände, Finger, Füße auf die immer gleiche Weise in ständiger Wiederholung. 


Der Mensch mit Demenz kann nicht zur Ruhe kommen. Dieser ständige Bewegungsdrang entsteht aus einer inneren Anspannung heraus und ist für den Betroffenen selbst und auch für die Angehörigen sehr anstrengend. Auffallend ist, dass die motorische Unruhe nachts am schlimmsten ist, was zu Lasten eines erholsamen Schlafs geht.


Spürbare Veränderung der Persönlichkeit


Dazu gehören grundlose, plötzliche Stimmungsschwankungen. Wenn ein bisher ruhiger, ausgeglichener Mensch plötzlich reizbar, aufbrausend bis aggressiv wird, sollten Sie als Angehöriger genauer hinschauen. Auch, wenn eine sonst gesellige Person gegenüber Angehörigen oder Freunden auf einmal ängstlich, misstrauisch oder weinerlich wird.


Der Betroffene entwickelt Ängste selbst in seinem vertrauten Umfeld oder bekommt aus heiterem Himmel einen Wutausbruch, weil eine Kleinigkeit nicht passt. Von einer Sekunde zur anderen kann die Stimmung umschlagen. Für Familie und Freunde ist das nur schwer nachzuvollziehen und wird schnell persönlich genommen. Dabei ist es keine böse Absicht, sondern der Betroffene kann seine Verwirrung nicht richtig einordnen und hat aus seiner Hilflosigkeit heraus eine extrem kurze Zündschnur.


Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber wenn sich die emotionalen Ausbrüche häufen, intensiver werden und nicht zu der Person passen, wie man sie bisher kennt, hat das nichts mehr mit normalem Altern zu tun.




Keines der genannten Anzeichen ist für sich allein ein Anzeichen für Demenz. Andere Ursachen wie Nährstoffmangel, Schilddrüsenprobleme und Depression müssen zuerst ausgeschlossen werden. Wenn eines oder mehrere der Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, ist ärztlicher Rat unbedingt einzuholen. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Dieser überweist dann an eine Gedächtnisambulanz oder einen Neurologen.


Für die Lebensqualität und den weiteren Verlauf ist eine frühe Diagnose sehr wichtig. Deshalb: Seien Sie aufmerksam und handeln Sie rechtzeitig.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen